„Sententia" meint Gedanken, Aussagen, Urteile, Splitter, Einsichten, kurze philosophische Formen, poetische Verdichtungen usw., die ich gelegentlich verfasse.
In causa Homo pansapiens: Quid homo sit et quid possit verbis exprimi non potest, homo non verbis, sed actibus cognoscitur – was der Mensch ist und wozu er fähig ist, lässt sich nicht vollständig in Worte fassen; der Mensch wird nicht durch Worte, sondern durch seine Taten erkannt.
Es gibt eine Grenze dessen, was Worte zu leisten vermögen. Der reduktionistische Existentialismus führt den Leser an diese Grenze der Sprache. Nicht das, wofür der Mensch sich ausgibt, erklärt ihn, sondern das, was er bevorzugt, wie er handelt und welche Folgen sein Handeln hervorbringt. Der eigentliche Gegenstand des reduktionistischen Existentialismus ist nicht der ideale Mensch, sondern der beobachtbare Homo pansapiens. Im Laufe der Feldforschung hatte ich keine Fragen mehr an den Menschen. Ich suchte nicht mehr nach neuen Antworten, sondern nach der Form, die das Beobachtete trägt. Deshalb müssen wir den Menschen an seinem Handeln erkennen.
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Monstrum non est aliud animal: Der Mensch ist ein liebenswürdiges, altruistisches, gütiges, humanistisches und empathisches Wesen, das keinem Tier etwas zu Leide tun kann, hat jedoch eine „dark side of the moon“ sowie unergründbare tiefe Abgründe. Welche Worte wir auch immer zur Wahl haben, wir werden nie die passenden Worte finden, um dem sog. Menschen, Homo pansapiens, Ausdruck zu verleihen. Würden wir eine Tierart bemühen, z. B. eine Kakerlake, würden wir die Kakerlake beleidigen, wenn wir sie mit einem Menschen vergleichen würden. Ein Staubkorn ist noch von grösserem Nutzen als das verabscheuungs-würdige Monster. Monstrum non est aliud animal. Homo ipse monstrum fieri potest – das Monster ist kein anderes Tier. Der Mensch selbst kann zum Monster werden. Selbst wenn wir diesem sog. „Mensch“ jegliches Menschsein absprechen, selbst dann, könnten wir dieser Ausgeburt nicht gerecht werden. Alle diese Eigenschaften können in jedem von uns auftreten. Demjenigen Homo pansapiens der „out from the circle“ ist und auf einen „inner-Circle-Face-to-face“ trifft, sollte grösste Aufmerksamkeit geschenkt werden. Jeder von uns hat die Voraussetzung einer Veranlagung zum creaturae generalis zum nevende creaturae. Wir sind uns selbst oft nicht bewusst, dass wir abgrundtief handeln können. Visibilitas agit mechanismus pro normis autoregulationie, et rationibus reddendis, vice versa sine autoregulatione, vim suam validitas – Sichtbarkeit wirkt als Mechanismus für Normen, Selbstkontrolle und Verantwortung. Wenn kein Blick „von aussen“ existiert (oder wir ihn gedanklich ausschalten), fällt die Hemmung, sich an Regeln zu halten, weg.
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Quod possidere non potes, destruis: Zuerst will man etwas besitzen. Gelingt dies nicht, will man wenigstens verhindern, dass «es» jemand anderes besitzt – man zerstört «es». Wenn Aneignung unmöglich wird, kann sich im Homo pansapiens der Wunsch nach Vernichtung formieren. Frustration, Hass, Kränkung, Machtverlust oder verletzter Stolz können das Begehren des Besitzens in den Impuls der Zerstörung verwandeln. Dieses Muster begegnet uns in Beziehungen, Machtkämpfen, Ideologien und Kriegen.
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Vor rund 150 Jahren haben wir, profan gesagt, noch auf die Strasse „geschissen“. Vor rund 150 Jahren hatten wir noch einen Bruchteil unserer Erfindungen – im Gegensatz zu heute. Aufgrund der schieren Masse bleibt eine grosse Masse auf der Strecke. Expandere usque ad in interitum: Wir können bis zur Zerstörung der Masse die Grenzenlosigkeit nicht aufhalten. Wie viel Ordnung verträgt der Mensch, bevor er selbst zum Objekt der Ordnung wird? Je komplexer die Gesellschaft wird, desto grösser wird die Versuchung, den Menschen messbar zu machen. Bisher ist es so, dass der Staat sich an die Menschen anpasste; das Paradigma des Staates lautet: Die Menschen müssen sich dem Staat anpassen – vice versa: Früher wurde die Ordnung dem Menschen angepasst, heute; ordo crescens hominem metiri vult – die wachsende Ordnung will den Menschen vermessen – es hat alles seine Richtigkeit.
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Der reduktionistische Existentialismus erklärt nicht die Welt, sondern den Menschen in ihr. Was immer gedacht werden kann, liegt in der Existenz des Handelnden oder kann zum Handeln werden. Magis scire debemus, quid non simus quam quid simus – wer weiss, was er „nicht“ ist, gerät seltener in Versuchung, zu glauben, er habe die Welt endgültig erklärt – wir sollten eher wissen, was wir nicht sind, als was wir sind. Der Mensch versteht sich nicht zuerst durch das, was er zu sein glaubt, sondern durch das, was er bei genauerem Hinsehen nicht ist.
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Die Bewirtschaftung von populistischer, rechtsradikaler und faschistoider politischer Gruppierungen wie dem Slogan „Ausländer raus“, wie dem historischen Leitspruch der Nazis „Juden raus“ oder dem Ausdruck: „Sau-Türken“ usw. ist menschenverachtend und für eine zivilisierte Gesellschaft inakzeptabel – ein No-Go.
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Christopher Olah war 2021 mit Dario Amodel Mitbegründer von „Anthropic“ und ehemaliger Mitarbeiter von Sam Altman, der im Umfeld von Peter Thiel steht, und warnt vom Innenleben der KI. Olah spricht von hohen ethischen Maßstäben. Er sagt, dass KIs mehr oder weniger einer Blackbox gleichen, weshalb sie der Menschheit gefährlich werden könnten. Spätestens, wenn ihre intellektuellen Fähigkeiten jene von Menschen übertreffen. Auf die Frage: „Was findet man im Innern der KI?“ Rätselhafte, beunruhigende Dinge, so Olah.
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