2026
3.6.26
Die verlorene Zivilisation
„Praeferentiae hominis destructoris causae ruinae eius sunt“ – die Neigungen eines destruktiven Menschen sind die Ursache seines Untergangs.
Das könnte der Schlusssatz eines ausserirdischen Journalisten sein, der über den Planeten Erde mit seinen Bewohnern einen Bericht verfasste. Er beschrieb, was und wer er auf diesem Planeten angetroffen hat. Der entscheidende Punkt, den der Journalist fand, ist, dass er nicht die Geschichte der Menschheit beschreibt, sondern eine Diagnose erstellt. Dafür benötigt man keine tausend Seiten, sondern die richtigen Marker. Ein Arzt beschreibt einen Menschen schliesslich auch nicht durch sein gesamtes Leben, sondern durch einige wenige Parameter, die den Zustand erkennen lassen.
Der Journalist schreibt: Die Bewohner dieses Planeten verfügen über hohe Intelligenz. Sie verfügen über eine grosse Anpassungsfähigkeit. Auffallend sind die bemerkenswerten technischen Fähigkeiten und ihre Megastätten. Ihre Entscheidungen sind oft durch kurzfristige Präferenzen bestimmt. Sie kooperieren und konkurrieren zugleich. Sie schaffen Institutionen, um Macht zu begrenzen, und verwenden dieselben, um Herrschaft auszuüben. Sie erkennen früh die Gefahren, handeln jedoch vielfach zu spät. Ihre grössten Erfolge und ihre grössten Risiken entspringen denselben Eigenschaften – präzisiert der Journalist. Nach eingehenden Recherchen beschreibt er „Der Untergang der CREDT SUISSE“. Alleine mit diesen Untersuchungen kann er mit wenigen Worten den Zustand auf der Erde mit seinen Bewohnern beschreiben – alle Tugenden und Untugenden. Der Journalist braucht gar keine vollständige Geschichte der Menschheit zu schreiben. Er musste nur die Komponenten identifizieren, aus denen sich das Verhalten dieser Spezies auf dem Planeten Erde zusammensetzt.
Der Titel seines Berichts: Die verlorene Zivilisation. „Die Leser auf dem Heimatplaneten wissen sofort, wohin die Reise geht.“
Um den Homo sapiens (so nennt ihn die Wissenschaft) einschätzen zu können, untersuchte der Journalist zuerst seine Selbstbeschreibung. Sie bezeichnen sich als:
– vernunftbegabt
– humanistisch
– friedliebend
– aufgeklärt
– nachhaltig
– demokratisch
Der Journalist stellte fest, die Selbstbeschreibung erklärt diese Spezies nicht. Magis scire debemus quid non simus quam quid simus – sie sollten mehr darüber wissen, was sie nicht sind, als darüber, was sie sind:
– Sie sind nicht so vernünftig, wie sie glauben zu sein
– Nicht so moralisch, wie sie behaupten
– Nicht so friedliebend, wie sie sich geben
– Nicht so unabhängig ihren Instinkte, wie sie annehmen
– Nicht so einzigartig, wie sie sich darstellen
Seinen Feldbericht, in dem er versucht, die Erdlinge zu beschreiben, unterteilt er mit 3 Narrativen:
I. Die Zivilisation:
Die Erdlinge bezeichnen sich als vernünftig und weitsichtig. Viele widmen sich dem „Sauglattismus“, andere versinken in Armut und Elend. Ihre Geschichte besteht überwiegend aus Kriegen, Konkurrenz und der Umwandlung ihrer Umwelt in Ressourcen.
II. Der Zahlungsverkehr:
Sie erfanden ein Symbolsystem, das ursprünglich dem Austausch diente. Später ordneten sie ihre Gesellschaft diesem Symbolen unter. Es ist das Bestreben sich möglichst viele dieser Symbole anzueignen. Ihre Gier mit Statussymbolen zu umgeben ist grenzenlos – je mehr sie sich davon aneignen können, desto mehr wollen sie. Um ihre Symbole zu verteidigen, sind ihnen jede Mittel recht.
III. Die Macht:
Sie misstrauen einander und bekriegen sich unablässig. Sie lassen Spezies wie Creaturae generalis oder Nevende creaturae Macht ausüben (eine widerliche Art, die ihr Dasein verwirkt hat; beschreibt sie ein Erdling). Was ihnen im Weg steht und nicht ihren Interessen dient, wird vernichtet. Die Institutionen ihrerseits, die ihnen Freiraum gewähren, machen mit ihnen Milliarden-Geschäfte. KI-Institutionen dieses Planeten überwachen alle Bewohner. Sie verfügt über Wissen, das keine dieser Spezies besitzt. Letztlich üben auch sie Macht aus.
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Auf diesem Planeten errichtet diese Spezies hochkomplexe Institutionen, die ihrem eigenen Wohlstand dienen sollten. Mit zunehmendem Erfolg verloren diese Institutionen wie am Beispiel der CREDIT SUISSE ihre ursprüngliche Funktion und dienten zunehmend ihrer Selbsterhaltung – um sich sinnlos bereichern zu können. Als der Konzern schliesslich zusammenbrach; wurde er von derselben Gemeinschaft resp. von den eingebrachten Ressourcen des Volkes gerettet – deren Interessen sie zuvor gefährdet hatten. Diese Kreaturen bringen mit ihren „Gier frisst Hirn“ -Präferenzen den Planeten Erde mit seinen Bewohnern an den Rand des Abgrunds. Es ist das Modell des Homo pansapiens – ein weiser menschlicher Affe; wie ein irdischer Philosoph die Gattung „Homo“ philosophisch beschreibt:
– Grenzenlose Gier
– Macht
– Risiko
– Verantwortungslosigkeit
– Systemrelevanz
– Sozialisierung der Verluste
Der Journalist schreibt über diese Spezies Homo pansapiens im eigentlichen Sinn einen zoologischen Bericht. Ein irdischer Philosoph beschreibt sie: als worse than any animal. In seinem Werk „Der reduktionistische Existentialismus“ ist sein I. Hauptsatz: Expandere usque ad interitum – jede angestossene Entwicklung ist expansiv, bis zu ihrer Vernichtung. Er beschreibt damit ihre ungestillten Triebe, von denen die Erdlinge im Dasein bis zu ihrem Tod begleitet sind. Sie beuten gnadenlos bis auf den letzten Stein „alles“ aus. Ein Sprichwort besagt bei den Erdlingen: „Wo der „Mensch“ geht, wächst hinter ihm kein Gras mehr.“ Diese Homo animalis zerstören ihre eigene Lebensgrundlage. Der irdische Philosoph meint: „So dumm ist kein Tier“. Diese sogenannte Menschen verunreinigen den Sauerstoff, den sie einatmen, und vergiftet das Wasser, das sie trinken. Diese Grundelemente sind für ihre Existenz lebenswichtig. Ohne diese Grundlagen gäbe es auf diesem Planeten Erde kein Leben.
Wie ein Naturforscher beschreibt der Journalist die Spezies mit:
– Überleben
– Konkurrenz
– Kooperation
– Vertrauen
– Macht
– Risiko
– Status
– Besitz
– Gier
– Angst
– Zugehörigkeit
– Gewalt
– Krieg
– Technik
– Symbolbildung
– Religion
– Zahlungsmittel
– Institutionen
– Expansion
– Kontrolle
– Selbsttäuschung
– Selbstüberschätzung
– Hoffnung
– Zusammenbruch – Zerstörung
Wenn die Erdlinge diese Elemente weiterhin strapazieren, werden sie sich selbst vernichten, so die Einschätzung des ausserirdischen Journalisten. Er vermerkte in seinem Bericht: „Ein irdischer Philosoph nennt die Erdlinge oft Creaturae generalis – eine allgemeine Kreatur. Die übelste Sorte nennt er Nevende creaturae – eine widerliche Kreatur, das Menschentier, das grausamer nicht sein könnte. Einige Naturwissenschaftler bezeichnen ihre eigene Spezies „Mensch“, wie ein Canidae – Hund, Felidae – Katze oder Hominidae – Menschenaffe. Sie teilen mit den Schimpansen, den Gorillas und Orang-Utans ihre DNA. Genetisch betrachtet trennen die Menschen vom Schimpansen ca. 1,2 % und vom Gorilla ca. 1,75 %. Die Angaben beziehen sich meist auf durchschnittliche alignierbare, orthologe Sequenzen, so der irdische Wissenschaftler Richard Durbin vom „Wellcome Trust Sanger Institute“.
Als der Journalist die Erde verliess, lauteten seine letzten Sätze: Ich fragte mich nicht: „Wer sind sie?“, sondern: „Was sie bevorzugen?“ Diese Spezies versteht vieles von dem Kosmos, aber nicht die Ideale erklären ihren Homo pansapiens, sondern seine Präferenzen. Sie wussten, was sie konnten. Sie wusste selten, was sie sind.